Leseprobe:
Scheiß Kirche, scheiß Gesetze, scheiß Magie. Mich kotzte das alles an. Was muss passieren, dass ich ihn wieder bekomme, dass die Welt besser wird? Die Frage brannte immer wieder in meinem Geist. Ein langer Monat alleine.
Ich wälzte mich im Bett herum, meine Hand fiel heraus in etwas Schleimiges, fiepsend sprang eine Ratte davon. An meinen Fingern klebte verschimmelter Brei. Meine Gelenke knackten, als ich mich aus dem Nachtlager quälte. Der Wind pfiff kalt durch die Ritzen in der Wand. Es würde ein harter Winter werden, wenn ich nicht bald die Löcher mit Heu zustopfte. Stoisch pumpte ich ein wenig Wasser hoch. Einer der wenigen Vorteile meines Hauses: ein eigener Brunnen mit Trog. Während ich mir die Hände wusch, streifte mein Blick das letzte Projekt, das noch unvollendet neben dem Schreibpult lag. Meiner Arbeit ging ich immer nur dann nach, wenn ich Geld brauchte. Aber das war im Moment mein geringstes Problem. Ich benötigte nicht viel zum Leben, aber der, den ich wirklich brauchte, war für mich unerreichbar. Ich schüttelte den Kopf und schlurfte wieder ins Bett. Eine weitere Ratte hüpfte quiekend davon, als ich mich niederließ und den widerlichen Geruch nach schweißgetränktem Heu einatmete. Das musste auch dringend gewechselt werden. Immer noch suchte ich den Punkt, wo wir all das hätten verhindern können. Ein weiteres Mal floss die Vergangenheit wie zähes Gift durch meinen Kopf.
Früher war der Alltag so schön ruhig gewesen. Ich wuchs bei meiner Mutter auf dem Land auf, ein friedliches, einfaches Leben. Dann starb sie und ich wurde in die Stadt gegeben zu meinem Onkel. Ich kannte ihn kaum, er erhoffte sich durch mein Wirken gesellschaftlichen Aufstieg. Was für eine Enttäuschung ich für ihn gewesen bin. Die Schläge dafür hatte ich nur in Kauf genommen, weil ich zu stur war, um mich ausnutzen zu lassen. Bis er mich rauswarf.
Dann trat er in mein Leben. Buutzaaalnark, einer der alten Familien, die schon vor uns Menschen die Welt bewohnten. Er fand mich auf der Straße, war mitfühlend mit mir. Er war mein Lichtblick hinter diesen grauen Stadtmauern. Wir wurden älter und verliebten uns ineinander, kauften uns ein Haus. Meine beste Freundin Mira hieß zwar nicht gut, dass ich mit einem Feuergeborenen zusammenlebte, aber bald schon wurden ihre Vorurteile durch sein gutes Herz hinweggewischt.
Der Klerus erklärte den König zum Ketzer und übernahm den Thron. Den Feuergeborenen wurde alles Übel dieser Welt zugesprochen, sie wurden aufgrund ihrer roten Haut und der Hörner als Dämonen betitelt. Bald schon wurden sie verstoßen und die Gewalt folgte auf dem Fuße. Die meisten von ihnen verbargen sich wie mein Mann in den Schatten. Doch auch das reichte der Kirche nicht. Ein Zauber verbannte sie alle von dieser Daseinsebene. Sein flehender Blick, als er sich auflöste, brannte sich in mein Hirn und verfolgte mich in meinen Träumen. Einzig Mira schaffte es, mich immer wieder aus meiner Trauer zu befreien, obwohl sie denen, die mir alles genommen hatten, diente.
Mir wurde bewusst, dass ich mal wieder im Gedankenstrom gefangen war, doch mir fehlte einfach die Kraft, etwas zu ändern. Fahles Licht fiel durch die Ritzen der Wände. Lethargisch fuhr ich mit den Fingern durch die Luft, beobachtete die Verwirbelungen der Staubpartikel. Energisches Klopfen an der Tür riss mich aus meinen Gedanken. Doch ich blieb liegen. Keine Kraft, nach dem Händewaschen erneut aufzustehen. Das Pochen wurde lauter.
»Mach endlich die Tür auf, Brian, oder ich trete sie ein! Du weißt, dass ich nicht scherze«, erklang Miras resolute Stimme.